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Was ist die Red
Libertaria de Buenos Aires?

Am 19. und 20. Dezember 2001, fand in Argentinien eine massive populäre
Rebellion statt. In den Straßen der Hauptstadt Buenos Aires fanden sich
viele Genossen und Genossinnen zusammen und leisteten mit Stöcken und
Steinen Widerstand. Die Polizei schirmte die Flucht des Präsidenten ab,
der während seiner Regierung die neoliberalen Maßnahmen verstärkt und
somit Arbeitslosigkeit und Armut verschlimmert hatte.
Aufgrund dessen haben sich einige anarchistische Genossen und
Genossinnen im Kampf getroffen. Ende Dezember 2002 fanden die ersten
Treffen von Red Libertaria statt.
Red Libertaria nimmt sich zum Ziel, dass der Anarchismus wieder in den
Straßen sein muss, in den Fabriken und Arbeitsplätzen, in den Schulen
und Universitäten, in Stadtvierteln und Siedlungen. Der Anarchismus muss
eine revolutionäre Kraft sein, er muss den Kapitalismus von allen Seiten
bekämpfen, mittels direkter Aktion, Horizontalität, Föderalismus,
Solidarität, Selbstorganisation, Freiheit und Gleichheit.
Viele Genossen und Genossinnen sehen unseren Einfluss als dürftig; weil
wir verstreut sind schränkt sich unser Fassungsvermögen ein und manchmal
resignieren wir, weil wir kein Projekt unterstützen können und kehren
hoffnungslos nach Hause zurück. Viele Genossen und Genossinnen befinden
sich in Projekten anderer Strömungen, mit denen sie, obwohl sie in
vielen Dingen übereinstimmen, wichtige Meinungsverschiedenheiten haben.
Aufgrund dessen entschieden wir uns, uns zusammenzuschließen: Um die
Organisationen und populären Kämpfe zu stärken und eine libertäre
Tendenz anzutreiben, um eine bleibende Präsenz in den Straßen zu
unterstützen und Tätigkeiten zu verwirklichen, in denen Genossen und
Genossinnen mit Ideen spielen, sich annähern, plaudern, debattieren,
lernen und zusammen sind, damit alle auf derselben Seite sind.
Wir befinden uns in verschiedene Kreisen (Genossenschaften, Innungen und
Gewerkschafts-Gruppen, Studentenzentren und studentischen Gruppen,
Gruppen die in Stadtvierteln arbeiten, soziale und kulturelle Zentren
usw.), um diese Organisationen mit libertären Ideen, und insbesondere
Praxis, zu vereinnahmen.
Wir entwickeln die Propaganda in den Straßen (Plakate,
Informationsstände mit anarchistischem Material, usw.), durch die
Vermittlung der Ereignisse (Vorträge, Debatten, Videoprojektionen, usw.),
und auch mit der Vorbereitung und Ausgabe der Publikationen (Broschüren,
Bücher und Zeitung).
In Red Libertaria diskutieren wir Themen der Gegenwart, und arbeiten
eine Gesamtheitsperspektive der allgemeinen Lage aus. Wir vereinbaren
gemeinsam Arbeitspläne und Handlungslinien, um besser vorangehen zu
können. Auch erarbeiten wir theoretische und historische Themen. Es ist
wichtig aus der Vergangenheit zu lernen und die Erinnerung zurück zu
gewinnen, um in besseren Bedingungen leben zu können, um heute zu wirken.
Während ihrer ersten vier Lebensjahre hat Red Libertaria für die
Wiedereingliederung des Anarchismus ins Volk gearbeitet, Ideen und
Praktiken in unsere Arbeitsplätze, unser Studium oder Wohnung zu bringen,
unsere Stellungen in allen Vereinigungen und Versammlungen, in denen wir
teilnehmen, zu entwerfen.
Außerdem haben wir Kontakt und gestärkte Beziehungen mit Genossen und
Genossinnen aus allen Teilen des Landes begründet. |
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Unser
Anarchismus
Der Anarchismus als Philosophie
und politische Praxis hat während seiner 150 Jahre alten
Geschichte eine Vielzahl von Varianten und Strömungen entwickelt.
Sie alle haben die Ablehnung jeder Autorität gemein und stimmen
im letzten Ziel überein: eine Gesellschaft freier und gleicher
Menschen; und sie kritisieren den aktuellen Zustand der Dinge.
Es gibt heute mehrere verschiedene
Strömungen innerhalb der anarchistischen Bewegung. Unterschiede
finden sich hauptsächlich in den Methoden, die sie vorschlagen.
Wir haben betreffs der Methoden verschiedene Meinungen,
verschiedene Formen und Mittel, um unser Ziel zu erreichen. In
diesem Sinne erkennen wir uns in einer Strömung des Anarchismus:
Especifismo. Diese Strömung verteidigt die Notwendigkeit der
Organisierung von Anarchisten und Anarchistinnen für eine
soziale Veränderung.
Unser Anarchismus strebt dafür,
das Volk- jenem unterdrückten und ausgebeuteten Sektor der
Gesellschaft - zu beeinflussen, um dessen Befreiung zu fördern,
was zugleich die Befreiung der Menschheit ist. Wir erkennen
gegenübergestellte Interessen in dieser Gesellschaft, in der
wenige in Reichtum und die Mehrheit in Armut leben. Deswegen
schlagen wir die Soziale Revolution vor: diese enteignet
Besitzer und zerstört Unterdrückungsmechanismen - die Staaten,
die Kirchen, Nationalismen, den Männlichkeitskult, die
Kernfamilie, den Dogmatismus usw. – um so Ungerechtigkeiten zu
beenden und um eine anarchistisch kommunistische Gesellschaft zu
begründen.
1) Obwohl unser Anarchismus die Befreiung der gesamten
Menschheit zum Ziel hat, ist er kein Humanismus. Wir ergreifen
Partei für einen Sektor der Gesellschaft, jener ausgebeuteten,
unterdrückten, beherrschten und regierten Klasse: die Arbeiter
und Arbeiterinnen, die Arbeitslosen, die Armen und
AußenseiterInnen dieses Systems; das Volk in seiner Gesamtheit.
Mit ihnen organisieren wir uns, auf Kosten der Mächtigen, der
Eigentümer und Regierenden.
2) Unser Ziel ist der Anarchokommunismus: Eine soziale Ordnung,
in der keine Klassen existieren und infolgedessen keine
Notwendigkeit staatlicher oder religiöser Lügen. Unser Ziel ist
eine Gesellschaft, in der das Leben - Wirtschaft, Wissenschaft,
Kunst usw. - in Abhängigkeit von den Interessen der Gesamtheit
der Gesellschaft und nicht des Minderheitssektors organisiert
sein wird, so wie es jetzt der Fall ist. Das ist was wir
Selbstorganisation nennen: In der Zukunft wird es keine wenigen
Privilegierten und die arbeitende Masse, die in der Misere lebt,
geben. Alle werden arbeiten, - vorbehaltlich der Kinder, der
Kranken oder der alten Personen - und alle werden sich
demokratisch entscheiden, wer wie viel erzeugt und wie es
verteilt wird. In der kommunistisch anarchistischen Gesellschaft
wird keine einzige Machtmitte existieren und auch kein Staat.
Wenn auch das Ziel des Staates darin bestand, die Verteilung zu
unterstützen, ist jede zentralisierte Verwaltung ineffizient und
erzeugt eine privilegierte Bürokratie, die nicht zögert, eine
dominierende Klasse zu sein.
3) Wir glauben, dass es notwendig ist, den sozialen Reichtum des
Bürgertums zu nehmen, um den Anarchokommunismus zu erreichen.
Dafür wird eine soziale Revolution des ganzen Volkes notwendig
sein, das die Vorrechte des Bürgertums zerstört, die Wirtschaft
vereinnahmt und für die Befriedigung der Notwendigkeiten aller
zu erzeugen beginnt. Das heißt, dass wir, die in Red Libertaria
versammelt sind, begreifen, dass Freiheit und Gleichheit
innerhalb des Kapitalismus nicht möglich ist, auch nicht an
seinen Rändern.
4) Wir sind Especifisten, weil wir glauben, dass wir
AnarchistInnen uns organisieren müssen, um die Gesellschaft
beeinflussen zu können. Wenn wir isoliert sind, sind wir unfähig,
irgendeine wirklich große Veränderung zu erreichen. Die
Organisation, die wir vorschlagen, unterscheidet sich von den
traditionellen politischen Einrichtungen, weil innerhalb keine
Hierarchien existieren: Es gibt keine Person oder Gruppe, die
entscheidet und andere, die dies ausführen. Die Organisation der
AnarchistInnen muss eine wirklich demokratische Organisation
sein, in der die Entscheidungen in Versammlungen gemacht werden.
Weil es eine physische Grenze in der Anzahl der Personen gibt,
die eine Versammlung formen können, wäre die Organisation der
AnarchistInnen eine Föderation: die Einheit von relativ kleinen
Kerngruppen, die einer spezifischen Tätigkeit nachgehen, aber
durch periodische Versammlungen aller miteinander verbunden sind.
Jede Gruppe hätte im Rahmen dieser grundlegenden Abkommen
relative Autonomie.
5) Wir sind Internationalisten, weil wir der Meinung sind, dass
keine Grenzen zwischen den ausgebeuteten und unterdrückten
Völkern existieren müssen. Die ganze Welt leidet unter dem Joch
kapitalistischer und staatlicher Unterdrückung. Im Kampf gegen
dieses globale System ist eine Organisation mit internationaler
Ausrichtung notwendig. Der Internationalismus, in der die ganze
Welt ein Schlachtfeld ist und nicht nur ein Land, geht Hand in
Hand mit dem Antiimperialismus. Im Kapitalismus, der sich seit
Mitte des 19. Jahrhunderts gefestigt hat, erweiterte die
Bourgeoisie der technologisch entwickelteren Länder ihre
politische und wirtschaftliche Beherrschung jenseits der Grenzen
ihres Gebietes, und griff militärisch ein, wo es notwendig war.
Wir sind antiimperialistisch, weil wir sowohl gegen die
Bourgeoisie in unserer Region kämpfen, als auch gegen die
Bourgeoisie in den Vereinigten Staaten und Europa, China und
Japan, usw.
Wir sehen keine Möglichkeit, mit
der lokal dominierenden Klasse zusammen zu arbeiten, um gegen
eine ausländische Bourgeoisie zu kämpfen. Mit solchen Allianzen,
gegründet in den Lügen des Nationalismus, benutzt die
Bourgeoisie des Landes das Volk im Kampf noch mehr. Unsere Ziele
unterscheiden sich von denen der dominanten Klasse, deshalb ist
es nicht möglich, sich mit ihnen zu verbünden.
6) Unser Anarchismus kämpft auch für Gerechtigkeit zwischen den
Geschlechtern, für das Ende sexistischer Stereotypen, welche die
Frau an den zweiten Rang innerhalb der Gesellschaft verweisen.
Red Libertaria richtet sich an alle Frauen des Volkes, weil sie
eine doppelte Unterdrückung erleiden: als arbeitende, arme,
arbeitslose Menschen usw., aber auch weil sie Frauen sind. Es
ist eine Pflicht den Sexismus, den Männlichkeitskult und die auf
dem Geschlecht gegründete Gewalt zu beenden.
7) Wir wollen, dass der Anarchismus im ausgebeuteten und
beherrschten Volk wächst. Deshalb arbeiten wir mit Gewerkschafts-Gruppen,
studentischen Gruppen, und Gruppen, die in Stadtvierteln
arbeiten, zusammen. So können wir in unterschiedlichen Umkreisen
teilnehmen, in denen sich die Ungleichheiten des Systems äußern
und darin jene Kämpfe finden, welche die Organisation der Unterdrückten
fördern. Es ist nicht notwendig, klar zu machen, dass unser
Einfluss keine Führerschaft ist, wie es die Linksparteien sind,
wir versuchen Erfahrungen im Kampf und die Kritik am System zu
fördern.
8) Zu jenem Punkt, in dem wir über die spezifische Organisation
von AnarchistInnen sprechen, verfechten wir auch die enorme
Wichtigkeit populärer Organisationen. Die anarchistische
Bewegung und Red Libertaria sind Plätze wo zusammenkommen, um zu
diskutieren, planen und Propaganda und die Teilnahme in den
Kämpfen zu organisieren. So wie sich die anarchistische Bewegung
entwickelt, entwickelt sich auch die populäre Bewegung, manchmal
in spontaner Art, aber fast immer durch studentische oder
Gewerkschafts-Organisationen, an denen wir teilnehmen müssen.
Diese Organisationen müssen innerlich demokratisch und von der
dominanten Klasse unabhängig sein.
9) In der aktuellen Situation
glauben wir, dass die Regruppierung der AnarchistInnen dringend
notwendig ist. Innerhalb der anarchistischen Bewegung und in den
unterschiedlichen Strömungen, um durch energische und
koordinierte Handlung die soziale Veränderung zu erreichen.
Deshalb laden wir alle Genossen und Genossinnen anderer Länder
ein, sich mit uns in Verbindung zu setzen, um Meinungen zu
unserem Vorschlag auszutauschen, uns Informationen über die
Tätigkeiten, die sie in ihren eigenen Städten verwirklichen, zu
senden, Materialien auszutauschen, Anregungen zu machen, usw.
Unsere E-Mail ist
redlibertaria@riseup.net |